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Auf Wunsch vieler Leser meiner Heimatstadt Hofheim am Taunus, schreibe ich im Moment an einem regionalem Krimi.

Vorläufiger Klappentext:
Am Meisterturm stürzt ein Mann in den Tod, direkt vor den Augen zweier Kinder, die noch nicht begreifen können, was sie da gesehen haben. Für die Polizei ist es ein tragischer Einzelfall, ein Sprung ohne Abschiedsbrief, ohne Hinweise auf Verzweiflung, ohne erkennbare Ursache. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall.Immer wieder endet ein Leben an genau diesem Ort, und jedes Mal wirkt es, als hätte sich jemand aus freien Stücken dazu entschieden, alles hinter sich zu lassen, obwohl nichts darauf hindeutete. Kommissar Mark Reuter glaubt nicht an diese Art von Zufällen. Als er beginnt, die Fälle miteinander zu vergleichen, stößt er auf etwas, das nicht in das Bild passt und dennoch niemand offen anspricht.Die Zurückgebliebenen.Menschen, die vorher jeden Euro umdrehen mussten, führen plötzlich ein Leben, das sie sich nie hätten leisten können. Rechnungen sind beglichen, Schulden verschwunden, und aus einem Alltag voller Sorgen wird scheinbar über Nacht ein anderer. Niemand kann erklären, woher dieses Geld kommt, und vielleicht will es auch niemand so genau wissen.Während Reuter tiefer in die Fälle eintaucht, wächst in ihm die Überzeugung, dass diese Tode keine spontanen Entscheidungen sind. Irgendetwas geht ihnen voraus, etwas, das sich nicht greifen lässt, aber Spuren hinterlässt. Und je näher er der Wahrheit kommt, desto klarer wird ihm, dass es Dinge gibt, die Menschen zu tun bereit sind, wenn sie glauben, damit jemand anderem ein besseres Leben zu ermöglichen.Wie viel ist ein Leben wert, wenn es gegen das Glück eines anderen aufgewogen wird?Und wer trifft die Entscheidung, wenn es keinen Weg zurück gibt?

Leseprobe:
Die Hitze lag schwer über dem Gelände rund um den Meisterturm, selbst im Schatten der Bäume wirkte die Luft warm und träge, als würde sie jede Bewegung verlangsamen. Vom Ausflugslokal her klirrten Gläser, irgendwo lachte jemand laut, und eine Stimme rief nach zwei Apfelschorlen, während sich alles wie ein ganz normaler Sommertag anfühlte, einer von denen, die einfach vergehen, ohne Spuren zu hinterlassen. Zwei Kinder spielten in der Nähe des über 30 Meter hohen Aussichtsturms. Einer von ihnen hockte im Staub und zog mit dem Finger eine Linie, konzentriert, fast versunken in seine eigene kleine Welt, während der andere danebenstand und ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat, weil er längst wieder losrennen wollte.
"Jetzt bist du aber dran", sagte er und stieß leicht gegen den Schuh seines Bruders, während ein schiefes Grinsen über sein Gesicht huschte und sein Blick bereits wieder nach oben wanderte, dorthin, wo sich Menschen an das Geländer lehnten und die Aussicht bis zur Frankfurter Skyline genossen.
Der andere sah kurz hoch, blinzelte gegen das grelle Licht, und in genau diesem Moment veränderte sich etwas. Es war kein Gedanke, kein bewusstes Erkennen, eher ein Gefühl, das ihn traf, bevor er es greifen konnte. Sein Blick blieb hängen, seine Stirn zog sich leicht zusammen, und langsam richtete er sich auf, ohne zu wissen, warum.
"Da…"
Mehr brachte er nicht heraus, denn im selben Augenblick löste sich etwas von oben, fiel und schlug direkt vor ihnen auf, so nah, dass der Staub aufwirbelte und er instinktiv zurückzuckte. Der Junge machte einen Schritt nach hinten, stolperte beinahe und griff nach dem Arm seines Bruders, während sich sein Blick an dem festklammerte, was jetzt vor ihnen lag. Er verstand nicht, was er sah, aber sein Körper reagierte längst darauf. Seine Finger begannen zu zittern, und in seinem Magen breitete sich ein kaltes, leeres Gefühl aus.
"Der…", setzte er erneut an, seine Stimme leiser jetzt, vorsichtig, als könnte das, was dort lag, ihn hören. "Der bewegt sich gar nicht…"
Der Jüngere schluckte, sah erst zum Turm hinauf und dann wieder auf den Mann am Boden, und etwas in seinem Gesicht veränderte sich, das Unbeschwerte wich etwas, das nicht zu ihm passte.
"Der liegt ganz komisch da…", sagte er, und seine Stimme klang fremd. "Ich glaub… ich glaub, der ist kaputt…"
Für einen Moment standen sie einfach nur da, unfähig, sich zu bewegen, weil dieses Bild nicht in ihre Welt passte. Dann zog der eine stärker am Arm des anderen, als hätte er sich erst jetzt daran erinnert, was man tun musste.
"Komm, wir gehen zur Mama", sagte er hastig, und die Angst war jetzt deutlich zu hören.
Sie rannten los, schneller als zuvor, aber ohne jedes Lachen, ohne Spiel, nur noch weg. Ihre Schritte stolperten über den Boden, ihre Atemzüge wurden hastig, und als sie ihre Mutter erreichten, drängten sie sich dicht an sie, als könnten sie sich in ihr verstecken. Der eine packte sie am Arm, seine Finger kalt und fest, während er zu ihr aufsah und seine Stimme überschlug.
"Mama, da ist ein Mann vom Himmel gefallen!"
Der andere nickte heftig, zog an ihrem Shirt und brachte die Worte mühsam hervor.
"Der liegt ganz komisch da… Mama, ich glaub, der ist kaputt…"
Sie sah von einem zum anderen, erst irritiert, dann wach, weil sie das Zittern in ihren Händen spürte und die Angst in ihren Augen sah, die sich nicht einfach wegwischen ließ. Langsam stellte sie das Glas neben sich ab, ohne hinzusehen, und legte ihre Hände um die Schultern der beiden.
"Was ist passiert?", fragte sie leiser, als sie wollte, während sich in ihr dieses ungute Gefühl ausbreitete.
Der Junge hob den Arm und zeigte zurück.
"Da… beim Turm…"
Sie folgte seinem Blick. Und noch bevor sie wirklich sah, wusste sie, dass sie gleich etwas sehen würde, das sich nicht mehr aus ihrem Kopf lösen ließ.
