Poesie & More
Boris Greff liest Christin Drawdy
Poesie & More

Die Liebe
Die Liebe, wie nur soll man sie erklären? Keiner kann sich ihr verwehren.
Mal kommt sie langsam, manchmal schnell, mal ist sie Bettler, mal Rebell. Die Liebe, auch manchmal nur ein Wort, dann trägt der Wind sie mit sich fort. Mal ist sie süß, oftmals auch bitter. Mal ein Tag voll Sonnenschein, mal ein Gewitter.
Die Liebe, oft sehr groß geschrieben. Zwei Menschen, die sich innig lieben. Mal ein Lächeln, oftmals auch Tränen,
mal ein Hassen, mal ein Sehnen. Die Liebe, ein Lebenselexier. Mal ein Wärmen, mal ein Frieren.
Sie kann dich nähren mit höchstem Glück und hungern dich lassen, zieht sie sich zurück. Die Liebe, eine Knospe unter Blüten, die sich nur entfaltet, wird man sie hüten. Nicht Selbstverständlichkeit sollte sie dem Liebenden sein, denn wird sie nicht gegossen, so geht sie ein.
Die Liebe, geben kann sie uns so viel. Und auch zerstören, ist sie ein Spiel. Wer sagt, er braucht die Liebe nicht, er lügt sich selber ins Gesicht. Die Liebe, manchmal längst schon aufgegeben, dann geht man einsam durch das Leben. Wird sich drehen, wird sich winden, um das einst Verlorene dann wieder zu finden. Die Liebe, manchmal ahnt man es nicht, oftmals in der Nähe ist.
Mal nicht gewollt, mal nicht gesehen, meistens muss erst was geschehen. Die Liebe, mach die Augen auf, nimmt am Ende doch ihren eigenen Lauf. Dann wehre dich nicht, den Stolz zu überwinden, dann wird auch dich die Liebe finden.
Die Liebe, auch Angst, sie zu verlieren und dann wieder in Einsamkeit zu frieren.
Doch nach jedem Winter, ach welch Glück, kommt der Frühling doch zurück. Die Liebe lässt sich in vielen Versen beschreiben und wird doch immer dieselbe bleiben.
Mal ein Berg, mal ein Tal. Mal ein Hoffen, mal eine Qual.
Die Liebe, ist sie auch zerflossen, einst hast auch du sie mal genossen.
Dann lebt sie weiter, bleibt stets jung, sei es auch nur in der Erinnerung. Die Liebe, solltest du sie spüren, dann lass dich ohne Reue von ihr verführen. Denn zu lieben und geliebt zu werden, bleibt stets das größte Glück auf Erden.

Schaukelstuhl
Ich stehe vor dem alten Häuschen
in dem ich Stunden voller Glück verbracht.
Leer steht es nun, was mich traurig macht.
Leise knarrt die Tür,
kein Gruß der mich willkommen heißt.
Auch der Garten um mich herum
scheint längst schon verwaist.
Ich trete ein in die Erinnerung
dunkel ist es, dort wo einst Harmonie hat gestrahlt.
Nur ein kleiner Lichtstrahl
ein Muster an die alten Wände malt.
Langsam meine Schritte,
meinen Atem ich höre.
Angst habe, dass ich im Weitergehen
das Bild in mir zerstöre.
Nun stehe ich in der guten Stube,
dort wo einst soviel Leben war.
Und dann sehe ich ihn,
ja er ist noch da!
Meine Hände streicheln ihn,
ich setze mich nieder
und dann, ja dann
spür' ich dich wieder.
Ich schließe meine Augen,
wippe still vor mich hin,
dort in Großmutters alten Schaukelstuhl.
Grad so als säße sie mit drin.
Harmonisch das Wippen,
das sanfte Hin und Her
beruhigend wie früher,
grad als ob ich noch auf Omas Schoße wär'.
Wie viele Stunden hab' ich hier damals
in meiner Kindheit verbracht.
Großvater hatte dir diesen Stuhl
zur Entspannung gemacht.
Hier fand ich Trost in deinen Armen,
wiegtest mich harmonisch aus manchem Kummer so oft
hier ab' ich geträumt, geweint und gehofft.
Bist mir wieder nah,
so wie einst.
Ein Lächeln umspielt meine Lippen.
Könnt ewig so in der Erinnerung wippen.
Hier hast du mir erzählt soviel
aus deinem Leben
mir manchen guten Rat gegeben.
Ja ich rieche sogar noch Opas
Pfeifenduft, der abends zog durchs ganze Haus.
Du liebtest ihn,
machtest dir nichts daraus.
Alles das zusammen, dieses Gefühl
vergesse ich wohl nie,
vermittelte mir ein Bild voller Harmonie.
Hier auf diesem Platze ich dich wieder fand,
bist nie so ganz von mir gegangen.
Die Harmonie der Kindheit hat die Zeit
in diesem Stuhl eingefangen.
Seltsam getröstet erhebe ich mich nun,
der Stuhl aber schaukelt noch heiter.
Bist du das Großmutter,
schaukelst du dort weiter?
Willst du mir sagen,
sie steht nicht still die Zeit?
Mich trösten und mir sagen weine nicht mein Kind:
Weil schöne Erinnerungen auf ewig sind?

"Ach könnt' ich nur…"
Zart berührt vom Licht des Mondes glänzt deine Haut im goldnen Schein.
Ach könnt' ich nur, man darf ja träumen, der Lichtstrahl auf deiner Haut dort sein.
Zart umspielt der Wind dein Haar, flüstert sanft mit deiner Lockenpracht.
Ach könnt' ich nur, man darf ja träumen, ein Windhauch
sein in dieser Nacht.
Was mir bleibt, das ist der Traum, sitz' hier am Fenster ganz allein.
Ach könnt' ich nur, man darf ja träumen, der Inhalt deiner Träume sein.

"Stark wie ein Baum"
Stark wie ein Baum, so wollte ich immer durch das Leben gehen.Verwurzelt, treu mir selber,doch wie viel ist in all den Jahren geschehen.Nicht immer erstrahlten die Blätterin den schönsten Farben,und so manch kalter Winterhinterließ im Baumstamm bittere Narben.Manch Vöglein ließ sichals Freund auf seinen Ästen nieder.Doch fiel Schnee erst auf den Ast,erkannte er in ihnen nur die Enttäuschung wieder.Manchmal trug er viele Blätter,dann sah man ihn mit Wonne an.Doch war ein Jahr mal mager,ohne Treue man sich eines Besseren besann.Früchte die er trug, verteilte er mit Freuden, spendete im Sommer Schatten Jahrein Jahraus.Doch wenn seine Wurzeln am verdursten waren,dann ging meistens leer er aus.Es gab Tage in seinen Leben,da wollten seine Knospen vor Traurigkeit nicht sprießen.Doch wo waren all die Vöglein um ihn aufzumuntern, wo waren all die Vöglein, die doch Freunde hießen?Die Rinde wurde dicker, verschlossden Stamm um Schutz ihm zu geben.Doch die Süße des Harzes konnte so nicht fließen,gar bitter war dieses in sich eingeschlossene Leben.Die Rinde dick, die Blätter verwelktdie Äste schwach und ohne Frucht,in diesem Zustand hat ihn eines Tages dann ein ganz Besonderes Vöglein besucht. Es setzte sich nieder auf den kahlen Ästen versuchte in den Baum hinein zu schauen.Das Äußere zählte für es nicht,hier wollte es sein Nestlein bauen Erst wehrte sich der Baum, versuchtein seiner Angst vor Enttäuschung das Vöglein abzuschütteln.Doch dieses Vöglein ließ sich nicht vertreiben, da konnte er noch so kräftig mit seinen Ästen rütteln.Der Baum faste Vertrauen und fingan wieder gar herrlich zu blühen und zu sprießen und nach kurzer Zeit eine Menge Vöglein sich auf seinen Ästen niederließen.Doch seine Früchte teilte der Baumnur noch mit dem Vöglein welches das Gute auch in seinem Innersten sah,denn dieses Vöglein kannte ihn auch in schlechten Zeitenseines Lebens, und blieb trotzdem da.

WALDSPAZIERGANG
Komm, verweile einen Augenblick mit mir, die schönsten Dinge zeige ich dir, gemacht aus dem Zauber der Natur, dem Sinn des Lebens auf der Spur.
Schauen wir doch zuerst raus in den Garten, viele bunte Blumen dort schon auf uns warten, duften lieblich und halten süßen Nektar bereit, stehen in vollster Blüte in ihrem strahlend Sommerkleid.
Bienlein schwirren emsig durch die Luft, angelockt von dem süßen Duft, und lustig tanzend, froh der Dinge, leuchten farbenfroh die Schmetterlinge. Auch die Vöglein genießen diese Pracht, haben zwitschernd eine Symphonie daraus gemacht.
Schau, sogar auf dem Boden tobt das Leben, Insekten jeder Art, sich ein Stelldichein geben. Öffnen wir nun die Pforte vom Garten, wird gespannt das Leben im Wald uns erwarten. Durch die dichten Tannen lugt verschmitzt der Sonne goldner Schein, ich sauge diesen Moment der schönsten Harmonie tief ins Herz hinein.
Nun sei still, damit sie nicht erschrecken, dann siehst du, wie Rehe sich hinter Büschen verstecken. Dort eine Mutter mit ihrem Kitze in der Sonne ruht, wie schlafend anzusehen und doch stets auf der Hut. Eichhörnchen springen elegant von Baum zu Baum, ach, wie hübsch sind sie doch anzuschaun.
Und dort hinter dem Busch, wenn du genau hinschaust, kannst du sie sehen, zwei Igel, gemütlich auf Wanderschaft gehen. Hast du Glück an diesem Tag, da man ihn nur selten sehen kann, pirscht sich der Fuchs ganz nah an dich heran.
Auf der Suche nach Nahrung durchstreift er die Wälder, jagt Mäuse und Hasen, über Wiesen und Felder. Und ist die Sonne dann langsam am Untergehen, lässt sich auch das Wildschwein im Walde sehen. Den Tag hat es auf einer Lichtung verbracht, spazieren im Walde geht es lieber zur Nacht.
Nun hörst du auch das Gurren der Eule, gespenstig es klingt, wenn sie den Tieren des Waldes ihr Wiegenlied singt. Im Abendrot zieht der Mäusebussard nun seine letzte Runde, es wird ruhig im Walde zur späten Stunde. Müde mache auch ich mich auf den Weg zurück, trage tief in mir ein Gefühl von Freude und Glück.
Die Natur, ist sie doch ein Teil von unserem Leben, hat so viel Schönes uns zu geben. Der Mensch aber, so vieles schon zerstört, unbedacht, zum größten Feind derNatur gehört. Achtet sie, seid behutsam und erfreut euch daran, weil man Natur durch Menschenhand niemals ersetzen kann.

Tanz durch die Nacht…
Nebelschwaden, eingehüllt im Licht des Mondes, getragen auf den Schwingen des Windes, nehmen sie mit, die Gedanken an dich.
Ich stehe am Fenster, schaue ihnen zu, ihrem leichten Tanz durch die Nacht, begleitet von meinen Träumen.
Ich hülle mich ein mit den Erinnerungen an dich, lass mich tragen von erlebten Gefühlen und tanze auf den Schwingen meiner ewigen Liebe zu dir.

Der Bergsee
Tief ruht der See im Tal, smaragdgrün leuchtet seine Oberfläche im frühen Morgenlicht,wie friedlich liegt er dort, umrahmt von hohen Bergen, einsam dort ein Greise fischt.Sitzt, Pfeife rauchend, dort an seinem Ufer, fischt an dieser Stelle schon seit Jahr und Tag,nicht weil er hungrig – nein, weil er wohl diese Harmonie, die Ruhe so sehr mag.Die Fischlein, die er fängt, die haben großes Glück,denn wenn die Sonne sich tief im Bergsee spiegelt, wirft er sie stets dorthin zurück.Wie viele Fische hat er dort in seiner Einsamkeit schon gefangen,wie oft ist er den langen Weg zu diesem See schon gegangen.Keiner weiß es so ganz genau, denn er spricht nur mit dem See –ja, das kann ich sehen, wenn ich an ihm vorübergeh'.Ich, das Kind, nickte ihm freundlich zu, doch in seiner Einsamkeit bemerkt er es nicht,und mir war, als sah ich tiefe Trauer dort, in seinem faltenreichen Greisengesicht.Eines Tages war er plötzlich nicht mehr da,verwaist der Platz, an dem er so oft gesessen.Jahre gingen ins Land, doch diesen Alten konnte ich niemals vergessen.Sah vor mir, wie er täglich liebevoll seine Pfeife stopfte, die Angel neben ihm am See –ja, jedes Mal denke ich an ihn, wenn ich zu diesem Bergsee geh'.Hätte so gerne gewusst, was ihn damals so sehr bedrückte,warum in seinem Leben nur noch das Smaragdgrün des Sees ihn beglückte.An einem schönen Sommertag schlief ich ein, dort am Ufer, an seinem See,und da erzählte er es mir im Traume, ganz deutlich, ich ihn noch vor mir seh'.Er zeigte mir sein Leben als Waise, das so schwer ohne Vater und Mutter war.Doch dann fand er sie – seine große Liebe –,in der er alles Glück der Erde sah. Er war das erste Mal glücklich, fühlte sich geliebt und geehrt,doch das Schicksal hatte ihm dieses Glück viel zu kurz nur gewährt.Nahm ihm die Frau, und mit ihr das Kind, das sie trug unter ihrem Herz.Das erzählte er mir im Traume, erzählte von seiner Trauer, seinem Schmerz.Mit ihrem Tode wurde ihm alles genommen,zu weit war sie damals auf diesem See rausgeschwommen."Aber", fragte ich ihn, "warum zog es dich dann immer wieder zu diesem Platz der Trauer hin?"Da sah er mich traurig an und meinte: "Weil ich dort, mein Junge, ihr am nächsten bin."
